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60 Jahre ARGE Bildungshäuser Österreich

Vor über 60 Jahren gingen beherzte Bildungshausleiter der katholischen Bildungsheime daran, eine Gemeinschaft zu bilden. Ziel war es, sich gegenseitig zu helfen und zu stützen und gemeinsam finanzielle Mittel für die Bildungsarbeit zu erschließen. So entstand im Jahr 1954 die ARGE der Volksbildungsheime Österreichs. Die konstituierende Sitzung fand am 23. September 1954 im Bildungshaus Schloss Großrußbach statt.

Die Gründungsmitglieder waren: Katholisches Bildungsheim Großrußbach, Volksbildungsheim Puchberg, Volksbildungsheim St. Martin, Volksbildungsheim Retzhof, katholisches Bildungsheim Maria Trost, Bundesstaatliches Volksbildungsheim Graschnitz und Bäuerlicher Bildungshof Pöckstein. Ab Oktober desselben Jahres traten noch folgende Heime bei:  Katholisches VBH St. Augustin/Lungau, katholisches VBH Schloss Goldegg, katholisches VBH Batschuns, Evangelische Heimvolkshochschule Deutschfeistritz, katholisches VBH Forchtenau, VBH St. Michael.

Zum ersten Vorsitzenden wurde Dr. Hans Wittmann vom VBH Graschnitz und als Stellvertreter Dr. Martin Stur vom kath. VBH Großrußbach gewählt.

Arge Bildungshäuser
Die 2. Vollversammlung am 8. Mai 1957 im bäuerlichen Bildungshof Pöckstein vlnr: Hermann Weber, Hans Winetzhammer, ?, Johann Kern, Josef Schmutz, ?, Hubert Lendl, Josef Gruber, Laurenz Mock, Josef Schneiber, Martin Stur, ?, Theresia Weiß, ?, Josef Maier, Josef Gabrutsch
Nikolaj Frederik Severin Grundvig
N. F. S. Grundtvig: Wikimedia

Die Wurzeln der Bildungshäuser

Die Geschichte der Bildungshäuser begann in Österreich am Anfang des 20. Jahrhunderts. Zur damaligen Zeit hatten sie  einen ganz speziellen Auftrag zu erfüllen. Viele Bildungsheime übernahmen die Tradition der Heimvolkshochschulen nach dänischem Vorbild. Der dänische Pädagoge, Nikolaj Frederik Severin Grundvig, gilt als Gründervater der Heimvolkshochschulidee. Als Vorläufer unserer Bildungshäuser verbreitete sich die Idee von Dänemark über Norddeutschland bis nach Österreich.

1919 wurde von Prälat Dr. Josef Steinberger das Volksbildungsheim St. Martin bei Graz gegründet. Damit begann auch in Österreich eine bis heute andauernde Erfolgsgeschichte für unsere Bildungshäuser. Aus dem Protokoll der Gründungsversammlung der ARGE Bildungshäuser (ARGE BHÖ), damals Bildungsheime, ist das Bildungsziel der Bildungshäuser zu entnehmen, welches heute noch großteils ihre Gültigkeit besitzt:

"Die Bildungsarbeit des Volksbildungsheimes zielt auf den  ganzen Menschen und die Gesamtheit des Lebens ab. Der Mensch soll zu freier verantwortungsbewusster Entscheidung im persönlichen, beruflichen und sozialen Bereich, hingeführt werden."

Josef Steinberger
Josef Steinberger; Foto: BH St. Martin

Das Motto „Bildung mit Heimvorteil“ wurde in den 50er und 60er Jahren zum Markenzeichen der Bildungsheime. Spätestens im Jahr 1972 wurde die ARGE BHÖ österreichweit als Erwachsenenbildungsdachorganisation wahrgenommen. Unter dem Vorsitz von Dr. Josef Gruber vom BH Puchberg, mit Leo Prüller vom BH St. Hippolyt und Hermann Weber vom Tiroler BI Grillhof, wurden die Statuten überarbeitetet und ein Verein gegründet. Damit wurde der Grundstein gelegt, dass die ARGE Bildungsheime in das neue Erwachsenenbildungsförderungsgesetz taxativ aufgenommen wurde.Durch die Gründung der Konferenz der Erwachsenenbildung Österreich (KEBÖ) wurde die ARGE Bildungsheime gleichberechtigtes Mitglied innerhalb der österreichischen gemeinnützigen Erwachsenenbildungslandschaft.

Maßgebliche Meilensteine in der Vergangenheit

Erfahrungsaustausch und die Auseinandersetzung mit bildungspolitischen Themen waren zentrale Anliegen der ARGE. Studienreisen in Europa bis in die USA, sie ermöglichten den Blick über den Tellerrand und schafften neue Impulse für die Bildungsarbeit in den Häusern.

Mit der Förderaktion der stellenlosen LehrerInnen für die Erwachsenenbildungsorganisationen und der Aktion für pädagogische MitarbeiterInnen, kam es seit Mitte der 80er Jahre zu einer Aufwertung der pädagogischen Tätigkeit innerhalb der EB-Organisationen.

Die ARGE Bildungsheime war auch Mitinitiatorin für den Fernseh- und Radiopreis der Erwachsenenbildung Österreich, eine für die Öffentlichkeit wichtige Darstellung der EB im Rundfunk und Fernsehen. Mit der Berufung von Dir. Eduard Ploier vom BH Puchberg, ins ORF-Kuratorium, hatte die ARGE BHÖ einen prominenten Erwachsenenbildner über viele Jahre, im höchsten ORF-Gremium. Nach ihm ist der Eduard-Ploier-Preis benannt, der im Rahmen des Radiopreises der österreichischen Erwachsenenbildung jährlich für Verdienste um die Erwachsenenbildung im Rundfunk verliehen wird.

Mitgliederwechsel in der ARGE

Seit der Gründung der ARGE gab es immer wieder Häuser die zur ARGE BHÖ dazu kamen und aus verschiedenen Gründen wieder ausschieden. Die Gemeinschaft bestand aus Häusern mit kirchlicher und nicht-kirchlicher Trägerschaft.

Eine besondere Zäsur brachte das Jahr 1997. Es kam zur Trennung von einigen kirchlichen Häusern in der ARGE BHÖ zum Forum katholischer Erwachsenenbildung. Im Vorfeld dieser Trennung gab es intensive Diskussionen über die Frage, ob die kirchlichen Bildungshäuser in der ARGE BHÖ gut aufgehoben sind oder nicht. Kritikpunkte waren die fehlende inhaltliche Arbeit und die zu geringe finanzielle Unterstützung seitens des Bildungsministeriums.
Als Alternative bot sich das neu gegründete Forum katholischer Erwachsenenbildung, die Sammlung aller katholischen Einrichtungen auf Bundesebene, an.

Nach der Abstimmung bei der Vollversammlung der ARGE BHÖ im Jahr 1997, wechselten 13 katholische Häuser zum Forum. Die ARGE verkleinerte sich auf 18 Bildungshäuser.

Durch das Ausscheiden einiger der katholischer Bildungshäuser, musste die ARGE eine neue Standortbestimmung vornehmen. Als kleinere Organisation innerhalb der EB-Verbände musste sie sich neu orientieren.

Die ARGE BHÖ setzte auf Professionalisierung und befasste sich intensiv mit Qualitätsmanagement. Das Ziel war, die Qualität in den Bildungshäusern nachhaltig zu sichern und weiterzuentwickeln. Es galt aber auch, die Bildungsinhalte in den Häusern auf geänderte Anforderungen hin auszurichten. Leitbilder wurden abgeändert, neue Visionen und Ziele wurden definiert. Besonders herausfordernd für die Bildungshäuser ist bis heute die Gradwanderung zwischen ökonomischer Notwendigkeit und bildungspolitscher Herausforderung. Bei alledem steht wie immer der Mensch mit seinen Bedürfnissen im Mittelpunkt unserer Betrachtungen. Als professionelle Serviceorganisation wurden für die MitarbeiterInnen in den Häusern Berufsgruppenseminare angeboten und das Qualitätsmanagement in den Häusern durch Qualitätszirkel unterstützt. Die ARGE BHÖ ist zudem österreichweit als Trägerorganisation im Rahmen des kooperativen Systems der österreichischen Erwachsenenbildung für das Geschäftsfeld "Bildungsmanagement" zuständig.

Heute zählt die ARGE BHÖ 20 Mitgliedshäuser. Sie kann auf eine lange Tradition und Entwicklung zurückblicken und ist für die Herausforderungen der Zukunft gut aufgestellt.


Ing. Rudolf Planton
Vorsitzender der ARGE Bildungshäuser Österreich