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Bildungshäuser trafen sich zum internationalen Austausch

Das Gemeinsame in den Vordergrund stellen, war das Ziel der 25 BildungshausleiterInnen aus Österreich, Südtirol und Lichtenstein, die sich im neugebauten Bildungshaus St. Michael in Pfons am Brenner trafen.

Unter dem Motto „Kooperation vor Konkurrenz“ setzten sich LeiterInnen von Bildungshäusern aus unterschiedlichen Trägerschaften an einen gemeinsamen Tisch, um das Verbindende hervorzuheben und den gemeinsamen Austausch zu fördern. Gemeinsamkeiten bestehen im erwachsenenbildnerischen Selbstverständnis, welches für die Bildungsdienstleistungen und die Programminhalte tonangebend ist, in der regionalen Wirkungskraft von Bildungshäusern und ihrer ökologischen Bedeutung. In der Praxis erlebt wurde dies am Beispiel des neuerrichteten Bildungshauses St. Michael, welches in ökologischer Bauweise realisiert wurde.
Die Bildungshäuser aus den Verbänden der ARGE Bildungshäuser Österreich und des Forums kath. Erwachsenenbildungen in Österreich veranstalten gemeinsam fast 20.000 Veranstaltungen und erreichen mehr als 490.000 Teilnahmen jährlich.

Gemeinsamkeiten und Selbstreflexion
Sich mit Gemeinsamkeiten zu beschäftigen beinhaltet immer auch eine Selbstreflektion. So ist es nicht überraschend, dass neben dem Verbindenden auch selbstkritische Fragen auftauchten, wie die Frage, sind Bildungshäuser in einer Zeit der Digitalisierung überhaupt noch zeitgemäß oder welche Rolle spielen Bildungshäuser in der Erwachsenenbildung, wenn doch alles Wissen und alle Information sowieso schon verfügbar sind.
Elisabeth Anker, ehemalige Leiterin des Hauses der Begegnung in Innsbruck wies in Ihrem Impulsvortrag darauf hin, dass wir als Gesellschaft und als Menschen Bildung zur Weltorientierung brauchen, um Toleranz zu erwecken und weil Wissen uns in ein neues Tun und Handeln führt. In einer Zeit in der alles flüchtiger, unsicherer und komplexer wird, verhindert Bildung, alles kritiklos zu glauben, sich zu orientieren und die soziale Phantasie zu beflügeln. „Dazu braucht es Bildungshäuser!“ motivierte Elisabeth Anker die LeiterInnen der Bildungshäuser. „Die Häuser demokratisieren Teilhabe, bauen Barrieren ab, bringen sich ein für das Gemeinwohl aller Menschen. Sie setzen Themen. Sie befragen kritisch unsere Zeit. Sie tragen bei zur sozialen und gesellschaftlichen Resilienz, zu einer guten Widerstandskraft in turbulenten Zeiten. Sie bieten Oasen der Ruhe und Reflexion. Sie sind die kommunikativen Glutnester der Gesellschaft“ so Anker.

Neubau Bildungshaus St. Michael
Das Treffen der Bildungshäuser fand nicht zufällig im Bildungshaus St. Michael in Pfons am Brenner statt. Trotz Rückgänge der öffentlichen Zuwendungen an Bildungshäuser wurde ein nagelneues Bildungshaus in ökologischer Bauweise realisiert, welches im Frühjahr 2018 eröffnet wurde. Für andere Bildungshäuser ist das Bildungshaus der Diözese Innsbruck ein Mut machendes Sinnbild dafür, dass der Wert von Erwachsenenbildung bei Verantwortlichen und Trägern doch auch Anerkennung finden kann. Entscheidungsleitend für den Neubau war die Überzeugung des damaligen Innsbrucker Bischofs Manfred Scheuer, dass Bildung die zentrale Zukunftsfrage ist. „In der Diözese selbst wirkte der Neubau als starker Motivationsschub und stärkte das WIR-Gefühl“ erklärt Barbara Haas, Leiterin des Bildungshauses, bei ihrer Führung durch das Bildungshaus.

Regionale und ökologische Bedeutung
Eine kürzlich erstellte Studie der ARGE Bildungshäuser ergab, dass 75% der Mitarbeitenden in Bildungshäusern aus der Region kommen, damit sind Bildungshäuser bedeutende Arbeitgeber in ihren Regionen. Auch in der Programmgestaltung schlägt sich die regionale Verbundenheit nieder. Im Bereich „Community Education“ wurden im Jahr 2017 fast 600 Veranstaltungen angeboten, die in Kooperation mit kommunalen Einrichtungen durchgeführt wurden. Fast alle Bildungshäuser beteiligen sich aktiv in regionalen Gremien und sind aktiver Teil der „Community Development“. Das Engagement reicht von LEADER-Aktionsgruppen über Dorferneuerung- und Ortsentwicklung bis zu Volksbildungswerken, Lern- und Gedenkstätten und ortsansässigen Vereinen und Initiativen. Darüber hinaus stellen Bildungshäuser ihre Räumlichkeiten, ihre Infrastruktur und ihr pädagogisches Knowhow, zum Teil, kostenlos zur Verfügung.
Rund dreiviertel aller Bildungshäuser setzen ökologische Maßnahmen, in dem sie ihre Wärme aus Fernwärme (41%) beziehen oder bei Hackschnitzelanlagen, die zum Teil selbst betrieben werden (35%) beziehen. 66% der Bildungshäuser versorgen sich mit Ökostrom, der zum Teil aus eigenen Photovoltaikanlagen bezogen wird. Damit wird auch die gratis Versorgung von E-Fahrzeugen unterstützt. Viele Bildungshäuser unterstützen eine ökologische Anreise der Bildungshausgäste durch Mitfahrbörsen oder Transferdienste. Der Einkauf von regionalen Lebensmitteln und Produkten ist für alle Bildungshäuser fast selbstverständlich. Einige der Bildungshäuser beziehen ihren Bedarf fast gänzlich aus der Region. 50% der Bildungshäuser bieten biologische und Fair-Trade-Produkte an.

Bildungshäuser sind eine beachtliche Kraft in der Erwachsenenbildung
Trägt man die statistischen Zahlen der österreichischen Bildungshäuser zusammen, entsteht eine beeindruckende Bilanz. Die Bildungshäuser aus den Verbänden der ARGE Bildungshäuser Österreich und des Forums kath. Erwachsenenbildungen in Österreich veranstalten gemeinsam fast 20.000 Veranstaltungen und erreichen mehr als 490.000 Teilnahmen jährlich.

Ein Großteil der Bildungsveranstaltungen finden zu den Themen Glaube/Weltanschauung, Familienbildung, Kunst/Kultur, Gesellschaft/Politik und Gesundheitsbildung statt. Damit sind Bildungshäuser wichtige Impulsgeber für die Gesellschaft und die persönliche Entwicklung.

Website der ARGE Bildungshäuser Österreich

Website des Forums Kath. EB

Internationales Treffen der BildungshausleiterInnen; Foto: Filzmoser