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Offener Brief an die Bundesregierung

Die aktuelle Situation der Bildungshäuser und unsere Anliegen.

 

Sehr geehrter Herr Bundeskanzler Kurz! 

Sehr geehrter Herr Vizekanzler Kogler! 

Sehr geehrter Herr Bundesminister Anschober! 

Sehr geehrter Herr Bundesminister Faßmann! 

Seit März 2020 ist die Erwachsenenbildung in Österreich mit der Tatsache konfrontiert, in den politischen Überlegungen rund um COVID-19 nicht einmal vorzukommen. Besonders betroffen sind die Bildungshäuser, die durch ihr andragogisches Konzept des „Lebens und Lernens unter einem Dach“ (nach Grundtvig) Lern-/Seminarzentren mit Gastronomie und Hotellerie betreiben: Im Jahr 2020 gingen laut Erhebung durch die ARGE Bildungshäuser Österreich die Veranstaltungen um rund 50% zurück, die Teilnahmen an Bildungsveranstaltungen wurden sogar um 60% weniger.
Die katastrophale wirtschaftliche Lage der Bildungshäuser konnte nur dann bewältigt werden, wenn vor allem die Träger als Eigentümer die Verluste abdeckten. Sind die Eigentümer nicht stark genug, geht es für die Häuser um die Existenz.  
Zusätzlich sind Trainerinnen und Trainer als ErwachsenenbildnerInnen oft selbstständig oder freiberuflich tätig. Diese stehen de facto seit knapp einem Jahr ohne nennenswerten Umsatz da.  

Die essenzielle Aufgabe der Bildungshäuser ist es Gesellschafts- und Persönlichkeitsbildung durchzuführen. Das muss jetzt ersatzlos unterbleiben. Dabei wären die Leistungen der Erwachsenenbildung für die einzelnen Menschen und für die gesamte Gesellschaft gerade jetzt (z.B. im Sinne von Aufklärung, Mut machen, Demokratiebildung) nicht hoch genug einzuschätzen: BürgerInnen findet Sinn und Perspektiven für die private und berufliche Zukunft. Die Gesellschaft profitiert durch die Förderung physischer und psychischer Gesundheit, durch die Befähigung der Menschen zu Austausch und Kooperation sowie durch zahlreiche Maßnahmen, die letztlich der Integration in die österreichische Gesellschaft und somit der Sicherung des friedlichen Zusammenlebens dienen. Bildungshäuser sind Orte, wo Menschen zusammenkommen, um sich zu vernetzen, Innovationen anzustreben, Werte bzw. Einstellungen zu diskutieren und dadurch letztlich demokratische Kultur in diesem Land zu sichern. 

Bildungshäuser sind Einrichtungen mit gelebtem Qualitätsmanagement und sie sind sich ihrer Verantwortung gegenüber der Gesellschaft bewusst. Alle von der Regierung getroffenen Maßnahmen der letzten Monate wurden daher zügig umgesetzt. Präventionskonzepte, geschultes Personal, ausreichend große Räume und Kompetenzen im Umgang mit den Menschen lassen aus unserer Sicht längst an eine Wiederaufnahme unserer Aufgaben im Rahmen vernünftiger Vorgaben denken.  

Die Erfahrungen der letzten Monate haben gezeigt, dass digitale Bildungsangebote von Erwachsenen zwar in Einzelfällen angenommen werden, jedoch nicht ansatzweise dem ganzheitlichen, personenzentrierten Ansatz der allgemeinen Erwachsenenbildung gerecht werden können.
Wir appellieren daher dringend, die Aufgaben und Leistungen der Erwachsenenbildung, speziell der Bildungshäuser, in den Blick zu nehmen und ersuchen um: 

• eine ausreichende finanzielle Absicherung für deren mittel- und langfristige Existenz.

 eine rasche Öffnung für alle – nicht nur berufsbezogene – Bildungsangebote unter Einhaltung der nötigen Maßnahmen.

 eine Gleichstellung mit Veranstaltern der beruflichen Weiterbildung.

 eine Gleichsetzung der Priorisierung des Personals in der Erwachsenenbildung bei den Corona-Impfplänen mit dem Lehrpersonal in Schulen.

Wir bedanken uns im Voraus für Ihre Unterstützung unserer Anliegen. 

Freundliche Grüße
ARGE Bildungshäuser Österreich

 


Mag.(FH) Mag. Erich Wagner-Walser Vorsitzender                  Dr.in Gaby Filzmoser Geschäftsführerin

St.Pölten, 20.2.2021 

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Offener Brief